Über gigantische Berglandschaften hinweg tief in das Herz des alten Waldes vermochte das Auge zu blicken, welches durch den Schlaf seines Besitzers nur noch machtvoller schien. Dunkel lag der Wald von Feralas vor ihm, durch die zerschlagenen Mauern Isildiens hinweg verschlang es das Bild des Augenblickes und gewährte seinem Besitzer den Blick auf das uralte Eldre'Thalas. Dunkle Schatten umschwirrten die majestätischen Mauern der Festung wie Nebelschwaden, die an einem frühen Morgen von den Strahlen der Sonne vertrieben worden wären. Ein sterblicher Betrachter hätte nicht einmal annähernd erahnen können, was sich in diesen Schatten verbarg und welche Geheimnisse sie zu schützen versuchten. Hier, wo vor Äonen alles seinen Anfang nahm, sollte nun der letzte Schritt getan werden. Eine Klaue fuhr über die diesseitige Hülle des Auges und trieb es dazu an, seinen Weg durch das Tor von Eldre'Thalas fortzusetzen. So lange geschlafen, so lange gewacht, wie ein schattig nebliger Hauch verschwand das Bild des Eingangs und wurde durch den Anblick der triumphalen Gassen Düsterbruchs ersetzt. Mit den Augen eines Unsterblichen vermochte der Betrachter des Auges die dunklen Gestalten in den Ecken und Winkeln der Stadt ausmachen, die einem Sterblichen verborgen geblieben wären. Obwohl der Betrachter nicht zu sehen vermochte, wer sie waren, konnte er doch die befleckte Aura, die den Gestalten anhaftete, spüren. Sie waren Bastarde eines uralten Volkes, welches wie kein anderes die Gezeiten und Äonen der Welt beeinflusst hatte. Die Kaldorei, wie sich selbst nannten, hatten gar in grauer und längst vergessener Vorzeit den mächtigen und gefallenen Titanen Sargeras vernichtet, wie er hatten auch viele andere Wesen die Nachtelfen unterschätzt und waren schlussendlich untergegangen. Welch eine Ironie, dass der Untergang der Kaldorei und ihres Reiches von den ihren selbst heraufbeschworen wurde. Und nun waren sie nicht mehr als ein Relikt vergangener Zeitalter, ein lebendes Denkmal, welches an zivilisiertere Zeiten dieser Welt erinnerte. Sie umgeben sich nun mit Pflanzen die sprechen, Tieren die flüstern und Zauberern, die schlafen und doch wachen. Ihre Unsterblichkeit hatten sie hinfort geworfen für die Verteidigung dieser Welt, wie sie in ihrer Arroganz glaubten, und sehnten sich nun so sehr danach, dass sie selbst ihre auf den Trümmern ihrer alten Zivilisation begründeten Philosophien und ihre Moral verrieten, um den Funken Göttlichkeit erneut zu besitzen. In ihrem unheiligen Bestreben hatten sie etwas geweckt, das besser hätte schlafen sollen. Etwas, das selbst schrecklicher als der gebündelte Zorn der Dämonen und des dunklen Titans war, denn selbst die Brennende Legion war nichts weiter als ein Werkzeug für Sie gewesen, Sie, die eins mit dieser Welt sind. Ihre Namen scheinen im Sand Nozdormus, des bronzenen Bewahrers der Zeit, vergessen, ihre Taten verschleiert vom Nebel der sterblichen Machenschaften und doch durchziehen sie alles, was die sterblichen Völker anstreben, wie kleine, dunkle Fäden einer Marionette. Töricht wäre es, die Fäden zum Ursprung zurück zu verfolgen, denn unvorstellbare Schrecken lauerten in ihm, deren Anblick die Seele und den Geist eines sterblichen Betrachters allein auf der Stelle vernichten würde. Gefangen und doch nicht ihrer Macht beraubt, hatten die Alten die sterblichen Völker als Werkzeuge missbraucht, bis zum heutigen Tage. Selbst ihren gefallenen Bruder benutzten sie für ihre Pläne, dessen zerschmetterter Leib von den unermüdlichen Insektoiden im Sande von Silithus zusammengefügt wird. Er hatte sich befreit vom Fluch der TItanen zum Preis seiner Göttlichkeit, die er wie die Nachtelfen erneut zu erlangen suchte. Wie ähnlich sie sich doch waren, Götter und Sterbliche, nichts mehr als Körner im Sand der Zeit, nicht einmal der Hauch der Ewigkeit vermochte ihnen den Schleier vor den Augen zu nehmen. Das Auge verblasste, ehe es erneut den Blick auf das Innere des Palastes freigab. Ein wandelnder Riese, knarzend wie ein erwachender Wald, schützte diesen Bereich vor den tollkühnen Eindringlingen und den Bastarden der einstigen Herren von Eldre'Thalas. Mit spielender Leichtigkeit durchbrach das Auge die magischen Barrieren, die das Urtum hier gewoben hatte, und zog weiter. Dann fand er es, den Sockel der Ewigkeit, das magische Gefängnis des Ersten, des Unausprechlichen. Die Intensität der magischen Restaura dieses Ortes übertraf selbst die Erwartungen des Betrachters, der so lange in Geduld ausgeharrt hatte, nur um nun festzustellen, dass sein Gefangener entkommen war. Wieder einmal waren es Sterbliche gewesen, die den Schrecken auf diese Welt losgelassen hatten und wieder würden es Sterbliche sein, die den Preis dafür bezahlen mussten. Doch schien er dieses Mal zu hoch, denn selbst das gesamte Blut der Völker Azeroths vermochte nicht den Hunger desjenigen zu stillen, den sie in den Ruinen von Eldre'Thalas befreit hatten...